Was der Ausweis F für Flüchtlinge bedeutet

24. Juli 2018

Das Wichtigste in Kürze:
2013 floh die Familie Serieh mit vier Kindern von Damaskus (SYR) in die Schweiz.
Nau berichtet in einer sechsteilige Serie über das Schicksal der Familie.
Teil IV: Leben, lernen und arbeiten mit dem Ausweis F.

Herbst 2016 im Berner Oberland. Vor drei Jahren floh die syrische Flüchtlingsfamilie Serieh in die Schweiz. Zuher und Noor, die beiden jüngsten Buben der Familie, kicken jetzt im lokalen Fussballclub. https://www.nau.ch/politik-wirtschaft/international/2018/07/21/geflohen-teil-iv-was-der-ausweis-f-fur-fluchtlinge-bedeutet-65344243

Mama Suher macht eine Spitex-Ausbildung beim Schweizerischen Arbeiterhilfswerk SAH Bern. Danach darf sie in einem Heim im Bereich Hauswirtschaft arbeiten. In Damaskus hatte sie studiert und war später im Ministerium für Kultur angestellt. «Aber die Ausbildung zählt hier nicht. Ich glaube, die Bildungssysteme sind viel zu unterschiedlich», erklärt Suher. 

Arbeiten mit Ausweis F

Wenn der Staat es bewilligt, dürfen Menschen mit Ausweis F in der Schweiz arbeiten. Der Kanton Bern hat beiden Seriehs eine Arbeitsbewilligung erteilt.

Suhers Mann schreibt Bewerbung um Bewerbung. Aber auch das Wort «F-Ausweis» wirkt wie ein Fluch: «Die Leute denken, es ist illegal, jemanden mit einem Ausweis F anzustellen und schicken uns davon», sagt Suher. Sie und ihr Mann sagen dann, dass sie arbeiten dürfen. Ganz bestimmt. Man solle doch bei der zuständigen Person nachfragen: «Hier ist die Nummer.» Einen Anruf bekommt die zuständige Person nie. Herr Serieh auch keinen Job. 

Lehrstelle finden mit Ausweis F

Seit er klein ist, will der älteste Sohn Shadi Zahnarzt werden. Warum? Suher zuckt die Schultern und lacht. «Das wollte er eben einfach immer». Seine Noten in Mathematik und Naturwissenschaften sind gut. Französisch aber lernt er nicht schnell genug. Lehrstelle statt Gymnasium, also.

«Ausweis F», fragen die Lehrmeister, «darfst du denn überhaupt eine Lehre machen?» Und die Berufsschulen doppeln nach: «Das heisst doch, dass du vielleicht in einem oder zwei Jahren wieder weg bist. Dann hat es keinen Sinn, hier eine Lehre anzufangen.» Ein Automechaniker schüttelt ob all der Vorbehalte nur den Kopf und bietet dem jungen Mann eine Lehrstelle an. Statt Zähne, flickt Shadi jetzt Autos.