Bücherbergwerk Monbijou

21. Mai 2019

Emine Memis, ehemalige Teilnehmerin des Integrationsprogramms Bücherbergwerk

Was kommt nach der Schule? Zu entscheiden, was man später werden möchte, ist für viele Jugendliche nicht einfach. Der Druck ist gross, wie auch die Vielfalt an Berufsmöglichkeiten. Manchmal ist die erste Wahl nicht die richtige. Der Lehrabbruch kann dann die Gelegenheit sein, eine neue Ausbildung in einem geeigneteren Beruf zu beginnen, wie das Beispiel von Emine Memis zeigt.

Emine Memis, brach ihre Lehre als Bekleidungsgestalterin ab. Sie hatte sich für diese Lehre entschieden, weil sie sich für Mode interessierte. Die Stimmung im Betrieb gefiel ihr jedoch nicht und sie merkte schnell, dass sie sich diesen Beruf anders vorgestellt hat. «Nach dem Lehrabbruch sass der Schock tief. Mir ging es wirklich nicht gut. Ich hatte mein ganzes Selbstvertrauen verloren und wusste nicht weiter», erinnert sie sich.

Schrittweise zurück ins Berufsleben
Sie suchte Hilfe beim regionalen Sozialdienst, der ihr eine Schnupperlehre beim Bücherbergwerk vorschlug. Im Bücherbergwerk an der Monbijoustrasse bietet das SAH Bern ein Beschäftigungs- und Integrationsprogramm für junge Erwachsene ab 16 Jahren und Langzeitarbeitslose an, die bei den Sozialdiensten oder Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) gemeldet sind. Neben den abwechslungsreichen Tätigkeiten wie Lagerverwaltung, Buchbewirtschaftung und Beratung der Kundschaft nehmen die Teilnehmenden an einem Bildungsprogramm teil. Das Ziel ist, nach dem Einsatz im Bücherbergwerk wieder Anschluss im Ersten Arbeitsmarkt zu finden.

«Nach dem Lehrabbruch brauchte es Mut, an einem neuen Ort zu starten. Doch wenn du motiviert bist, kannst du im Bücherbergwerk wirklich viel erreichen», sagt Emine Memis. Nach dem achttägigen Schnuppern war für sie klar: Hier will ich bleiben. Und so begann sie im Mai 2015 ihre Arbeit beim Bücherbergwerk. Zuerst mit einem Arbeitspensum von 60%, das schon im selben Monat erhöht wurde. «Als ich mich sicherer fühlte und gemerkt habe: Jetzt läuft’s!, haben wir das Pensum auf 80% erhöht. Und als ich die Zusage für die Lehrstelle erhielt, wollte ich dann 100% arbeiten», so Emine Memis.

Emine Memis war bis im Juni 2017 im Bücherbergwerk beschäftigt. In dieser Zeit schnupperte sie unter anderem als Buchhändlerin, Biologielaborantin und Fachfrau Information und Dokumentation (I+D). Letzteres gefiel ihr sehr gut und sie entschied sich, in diesem Beruf Fuss zu fassen. Im August 2016 fiel sie leider in der Endrunde für die Lehrstelle als Fachfrau I+D durch, doch sie gab nicht auf. Ein Jahr später klappte es dann mit der Bewerbung in der Mediothek einer Berner Hochschule. Sie sei «mehr als parat» gewesen für die Lehrstelle dank ihrem Einsatz im Bücherbergwerk. Und dadurch habe sie auch keine Lücke im CV, das sei ein grosser Vorteil.

«Erfolg bedeutet, glücklich zu sein»
Wenn sie von ihrer neuen Lehre zur Fachfrau Information und Dokumentation erzählt, strahlt die junge Frau: «Erfolg bedeutet für mich, glücklich zu sein. Und das bin ich heute». In einem Jahr wird Emine Memis zur Lehrabschlussprüfung antreten. Sie sei schon jetzt nervös und werde bald beginnen, für die Prüfung zu büffeln. Ihre Chancen stehen jedoch gut, denn sie kennt das Erfolgsrezept: «Wer motiviert ist und die Chancen packt, kann seine Ziele erreichen.»