Pflegeheim Domicil Monbijou

21. Mai 2019

Daniel Bereket, angehender Pflegefachmann HF

Für einen Geflüchteten ist es meist ein langer Weg zu einer "Erfolgsstory". Daniel Bereket nimmt uns mit auf eine solche Reise. Er erzählt uns seine Geschichte bei einem Kaffee im Bildungszentrum (BZ) Pflege. Der Erzählton ist nüchtern, aber man hört einen gewissen Stolz zwischen den Worten heraus.

Daniel erzählt:
«Als junger Mensch hatte ich den Wunsch, in meinem Heimatland Eritrea etwas zu bewegen. Mein Traum war, Diplomat zu werden. Als ich und andere Studenten es aber wagten, die Regierung zu kritisieren, landete ich während meines Studiums der Politikwissenschaft plötzlich im Gefängnis. Zwar wurde ich nach einem Monat wieder freigelassen und konnte das Studium abschliessen, doch die Angst blieb. Ich konnte nie sicher sein, wie lange ich noch frei sein würde, denn immer wieder wurde eine Person willkürlich verhaftet. Mit dieser Unsicherheit konnte und wollte ich nicht leben. So flüchtete ich zuerst nach Äthiopien und dann weiter in den Sudan.

Dort arbeitete ich einige Monate als Tellerwäscher in einer Bäckerei bis die sudanesische und die eritreische Regierung beschlossen, dass alle Flüchtlinge im Sudan nach Eritrea zurückkehren mussten. Ich war – wie viele andere – gezwungen, mit Hilfe von Schleppern in Libyen Zuflucht zu suchen und von dort übers Mittelmeer nach Europa zu fliehen. Mein neues Ziel war England, aber schliesslich landete ich in der Schweiz, wo ich meinen Asylantrag stellte.

Wechselnde Flüchtlingszentren
Ich kam im Sommer in die Schweiz und meine ersten Eindrücke waren sehr positiv. Alles war grün, die Landschaft schön und die Technologie beeindruckte mich. Mein neues Leben spielte sich jedoch in wechselnden Flüchtlingszentren ab: Ich war in Chiasso, in Altstätten, in Bremgarten, in Hindelbank, in Aarwangen; es war wirklich nicht einfach. Mein ständiger Begleiter war das Bewusstsein, dass ich nirgends mehr eine Chance haben würde, falls mein Asylgesuch in der Schweiz abgelehnt wird. Das ganze Asylverfahren dauerte zwei Jahre.
Integration ist für mich, wenn man seine eigene Kultur hat, aber diejenige des neuen Landes sowie dessen Sprache gut kennt, Kontakte sucht und schliesslich unabhängig von der Sozialhilfe leben kann. Der Schlüssel dazu ist die Sprache. In der Schweiz ist das eine Herausforderung, da man im Deutschkurs eine andere Sprache lernt, als man draussen hört. Geholfen haben mir Sprach- und Integrationskurse, das Zusammenleben mit einem Schweizer und einem Deutschen in einer WG und die Unterstützung durch Freiwillige.

Lieber mit Menschen als Sachen
Die berufliche Integration stellte mich auf die Probe. Am Anfang wollte ich einfach weiter Politikwissenschaft studieren und brauchte einige Zeit, bis ich mich von diesem Wunsch verabschieden konnte. In dieser Zeit war ich ziemlich orientierungslos und habe mich gefragt, was ich jetzt wohl machen soll. Nach Sprachkursen bis Niveau B1 bin ich 2017 ins co-opera, das berufliche Integrationsprogramm von SAH Bern, eingestiegen. Das Gute an diesem Programm ist, dass ich einerseits Deutsch auf Niveau B2 lernen und andererseits Arbeitserfahrungen sammeln konnte. Meine Beratungspersonen haben mich dabei sehr gut unterstützt. Zuerst habe ich je ein Schnupperpraktikum in der Logistik und in der Pflege gemacht. Dabei wurde mir klar, dass ich lieber mit Menschen als mit Sachen arbeite. Dieses Engagement konnte ich anschliessend mit einem längeren Pflegepraktikum im Pflegeheim tilia in Ostermundigen vertiefen. Das mir sehr gut gefallen hat, so dass ich mich entschlossen habe, den SRK-Pflegehelferkurs zu machen. Dadurch bin ich Schritt für Schritt weg von der Politikwissenschaft und hin zu einem Beruf im Sozialbereich gekommen. Bei einem sehr motivierenden Gespräch mit einer ehemaligen co-opera-Teilnehmerin, die am BZ Pflege studierte, überzeugte ich mich davon, dass die Ausbildung Pflege HF etwas für mich sein könnte.

Sprachkurs dank SAH-Begleitprogramm
Im Anschluss ans co-opera bin ich in das SAH-Begleitprogramm für Migrantinnen und Migranten am BZ Pflege eingetreten mit dem Ziel, in den Studiengang zum diplomierten Pflegefachmann HF aufgenommen zu werden. Im Begleitprogramm konnte ich mich dank einem Sprachkurs und der Unterstützung durch eine Mentorin auf den internen Sprachtest C1, das Aufnahmegespräch sowie die allgemeinen Anforderungen für ein Studium auf Tertiärstufe vorbereiten. Nach 6 Monaten hatte ich sämtliche Voraussetzungen erfüllt und begann im September 2018 mit der Ausbildung.
Zu Beginn hatte ich Probleme, den Anschluss an die überwiegend jüngeren Klassenkolleginnen und -kollegen zu finden, die untereinander ausschliesslich Dialekt sprachen. Es dauerte aber nicht lange, bis ich mich aufgenommen und wohl fühlte. Mittlerweile habe ich alle Prüfungen des ersten Schulsemesters geschafft und bin sehr zufrieden mit diesem Studium. Nun beginnt das erste Praxissemester, das ich im Pflegeheim Domicil Monbijou absolvieren werde. Ich sehe meine Zukunft wirklich in diesem Beruf, weil ich dadurch etwas bewegen kann, wie ich es mir früher gewünscht habe.»